Podcasts sind das neue Radio, oder?

Bei der Frage nach Web 2.0 und den Auswirkungen auf die allgemeine Mediennutzung geht es immer wieder um das Thema “Konvergenz”: Wachsen die Medien im Internet untrennbar zusammen? Wird IP-TV das neue Fernsehen und Podcasts das neue Radio?

In Ermangelung einer Kristallkugel möchten wir uns dabei erst einmal dem Hier und Jetzt zuwenden und das Naheliegende tun und dieses Thema auch hier im Blog diskutieren.

Bei den Unterhaltungen auf dem Büroflur und in der Küche zeigt sich ein recht heterogenes Bild – einige Kollegen haben noch nie einen Podcast angehört, andere podcasten selber. Ich persönlich nutze Podcasts recht selten und das vor allem aus einem eher praktischen Grund: Wenn ich Radio höre, sitze ich nicht am Schreibtisch vor meinem Rechner, sondern bin entweder im Wohnzimmer, in der Küche oder hinter dem Steuer. Da weder Stereoanlage noch Küchenradio mit dem Netzwerk verbunden sind und ich keinen iPod besitze, entsprechen die technischen Voraussetzungen einfach nicht meinen Hörgewohnheiten – und so bleibe ich üblicherweise bei Radio und höre nur selten Podcasts.

Wie geht es Ihnen? Nutzen Sie Podcasts?

17 Diskussionsbeiträge zu “Podcasts sind das neue Radio, oder?”


Uwe Werner

Das Nutzerverhalten gegenüber dem Podcasting hat sich in den letzten Monaten doch erheblich verändert. Auch herkömmliche Radiostationen greifen mehr und mehr dieses Thema auf, im Internetnet gibt es eine zunehmende Einbindung von Podcasts bei Portalen und Serviceanbietern und die Zahl der privaten Podcaster steigt erfreulicherweise weiterhin an.

Thilo Trump

Ob diese steigende Popularität von Podcasting auch auf lange Sicht tatsächlich bloß eine Ergänzung und nicht Konkurrenz fürs Radio sein wird?

Fabio

Die Zeiten in denen Podcasting nur Audio war, sind seit über einem Jahr endgültig vorbei. Ein Fünftel aller Podcasts sind mittlerweile Videopodcasts. Der Vergleich, das IPTV das Fernsehen der Zukunft und Podcasting das Radio der Zukunft sein könnten, passt daher schon mal nicht.

Im Moment mag es ja noch so sein, dass im Haushalt viele Endgeräte ohne Netzanschluss herumstehen, aber wenn man sich die aktuellen Entwicklungen anschaut, setzen sich Geräte mit drahtloser Funktechnik auch im Heimbereich immer weiter durch.

Für unterwegs wird der Datenzugang per UMTS immer relevanter. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis sich Autoradios via UMTS und ggfls. den Umweg über das Handy auch mit Medieninhalten aus dem Netz füttern lassen.

Thilo Trump

Uns interessiert dabei besonders die Perspektive von Nutzern. Werden digitale Inhalte, insbesondere Podcasts, anders genutzt als klassisches Radio oder, im Falle von Video-Podcasts, anders als Fernsehen?

  • Geht vor allem um Inhalte, die man in anderen Medien nicht findet?
  • Oder geht es um die Situation, in der man Podcasts nutzt, z.B. wenn man unterwegs ist oder wenn man eh am Rechner sitzt?
  • Oder ist es vor allem die Möglichkeit der zeitsouveränen Nutzung?

Was sind die wichtigsten Gründe sich für (oder gegen) die Nutzung von Podcasts zu entscheiden?

Web 1.0

Podcasts werden das klassische Radio nicht ersetzen. Es ist einfach zu umständlich. Man kann es viel mehr als Ergänzung sehen - sowohl für das Nachhören als auch vor allem für das Hören von völlig neuen Formaten, die so nicht im Radio stattfinden oder gehört werden können.

Was Medienmacher aber unabhängig und unablässig predigen ist, dass das Radio zukünftig individualisiert werden soll. Sprich: der Hörer oder die Hörerin sucht sich Beiträge und Musik zu seinen bzw. ihren Interessenslagen aus, das Radio richtet sich danach. Natürlich auch mit personalisierter Werbung. Technisch möglich wird es ja gerade.

Beim Fernsehen sieht es ganz anders aus und doch sehr ähnlich: Viele behaupten mir gegenüber, sie besäßen keinen Fernseher mehr oder würden keinen schauen. Das stimmt aber nur zu Teilen, denn diese schauen dann meist die Serien und Inhalte über zeitversetzte Quellen wie DVD, Kino, YouTube (gerade als MTV-Ersatz) oder Downloads. Ergo wird für das Fernsehen mehr Aufwand betrieben um zu individualisieren, aber dies nicht mehr als Fernsehen wahrgenommen.

Stellt sich also die Frage allgemein zur Mediennutzung: Wo fängt das Web 2.0 an und wo hört es auf?

Im Mittelpunkt steht in jedem Falle das Gefühl der Individualisierung.

Peter

Podcasts sehe ich als Ergänzung und Erweiterung eines Rundfunkprogrammes, nicht aber als Ersatz dessen an.
Es ersetzt für mich vielmehr die Aufzeichnung im eigenen Hause, also von Kassette. Sehr vorbildlich ist das Angebot der BBC, wo ich mir zahlreiche Sendungen von allen möglichen Programmen der letzten Woche anhören kann.
Was mir ein Podcast nicht gibt: Das Gefühl, LIVE unterhalten und informiert zu werden. Eine reine Ansammlung von Beiträgen könnte der Podcast also ersetzen, nicht aber eine Sendung, wo ich aktuell über das Geschehen infomiert werde oder eine Unterhaltungssendung mit Hörerbeteiligung, eben das Gefühl, daß direkt jemand bei mir ist.
Auf diese Stärken sollte man sich bei den Live-Hörfunkprogrammen künftig noch stärker besinnen, dann ist das herkömmliche Radioprogramm auch kein Auslaufmodell!

Dennis Horn

Ebendas ist das Problem: das Livegefühl. Und noch eins kommt dazu: Für Podcasts muss ich eine Auswahl treffen. Ich muss auswählen, was ich hören will. Fürs Radio dagegen drücke ich nur auf einen Knopf und fühle mich unterhalten - meistens ist ja der Sender, der am besten gefällt, auch der, der am Radio schon voreingestellt ist.

Das Radio ist ein Nebenbei-Medium mit seiner Mischung aus Wort und Musik, bei dem es noch nicht einmal in jedem Moment darauf ankommt, die Inhalte genau zu hören und/oder zu verstehen. Das ist bei Podcasts nicht der Fall - hier geht es ja eben um den Inhalt.

Ich glaube deshalb, dass das Radio nicht verdrängt werden kann. Aber mit den Podcasts verhält es sich hier genau wie bei den Weblogs: Die neuen Formen greifen an den Rändern der bisherigen Medien Nutzer ab. Einige Prozentpunkte, die vielleicht vorher auf Wortradio gesetzt haben oder das Radio als mehr als nur Nebenbei-Medium ansehen, verschwinden an den Rändern. Deshalb haben Podcasts am Ende doch ihre Auswirkung aufs Radio. Gerade das ist der Grund, warum viele Radiosender auf den Podcast-Zug aufspringen: damit die Hörer wenn schon nicht am Radio, dann aber doch beim Sender bleiben - wenn auch nur als Marke.

Thilo Trump

Ja, das Livegefühl scheint für viele Radiohörer besonders wichtig zu sein und verbunden damit auch eine aktive Beteiligung in Form von Höreranrufen, Gewinnspielen etc. (”Beteiligung 1.0″)

Für viele andere Aspekte des Radios ist es aber im Grunde genommen egal: Die Musik (die für die meisten Radiosender den weitaus größten Anteil der Sendezeit ausmacht) kommt eh’ aus der Konserve und viele Wortbeiträge können vorab aufgezeichnet werden.

Jenseits der aktiven Interaktion mit dem Publikum und aktueller Liveberichterstattung scheint mir “live” ein dehnbarer Begriff zu sein, der auch eine Zeitverschiebung zulässt.

Nur mein Standpunkt » links for 2007-10-28

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Sabine Haas

Das Schwierigste aus meiner Sicht ist es, Mediennutzungsgewohnheiten zu ändern. Ich verfüge jetzt über einen I-Pod und habe sogar Podcasts abonniert, aber noch nie gehört. Meine Entscheidung im Auto fällt gewohnheitsmäßig auf das Radio (I-Pod zuhause vergessen….), meine Entscheidung zu Hause auf CD. Aber dies ist sicherlich eine Generationenfrage, vielleicht bin ich für Neues schlicht zu alt. Ehrlicherweise denke ich aber auch, mir fehlt für mehr als zwei bis drei Medien die Zeit und Bereitschaft, sie zu “erkunden”.

Julian

Ich sehe Podcasts eher als eine Ergänzung der bereits seit Jahren existierenden Videostream-Technologie. Im Grund ist ein Podcast ja nichts anderes. Und wirklich Live ist ein Podcast auch nicht. Zeitversetzung tritt überall auf. Das fängt schon bei der Übertragung an und geht so weit, dass Podcasts aufgenommen und nachbearbeitet werden, bevor diese als Stream zur Verfügung stehen. Ein Live-gefühl vermittelt mir diese Technik nicht, eher ein Gefühl des Komfort, die Podcasts überall auf meinem mobilen Endgerät anschauen zu können. Über eine Datenverbindung kommt man dennoch nicht herum, um neue Informationen (Podcasts) erhalten zu können. Hier ist das Radio eindeutig flexibler denn der Empfang ist (fast) immer gewährleistet. Andererseits ist ein Podcast einem bestimmten Thema zugeordnet, im Radio hingegen werden die Songs entweder nach Verkaufszahlen gespielt (Release, Charts etc.) oder sie sind für die breite Masse ausgelegt. Ich persönlich höre Radio da sich die Playlisten der Stationen doch nur allzu selten ändern oder alles auf den Kommerz hinausläuft. Ich denke der Podcast stellt somit eine gute Ergänzung dar, was die persönlichen Preferenzen angeht. Man kann seine Informationsquelle genauer spezifizieren. Den großen Nachteil sehe ich nur bei bestimmten Dingen wie DRM oder teure Übertragungskosten für UMTS-Geräte. Denn hier ist Deutschland mit Abstand eines der teuersten Länder. Das mag daran liegen, dass neue Technologien nur schleppend eingeführt werden. In anderen Ländern (wie z.B. Japan) gehört UMTS mit HSDPA längst zum Standard.

Julian

Tippfehler und keine Editierfunktion. Schade :-/ Ich wollte sagen, dass ich kein Radio höre. Nur fehlte ein Wort…

Frank Behrens

Ich habe kürzlich das podcasten entdeckt als Hörer und auch Sender. Und mir einen Noxon zugelegt. Somit habe ich die Möglichkeit die vielen guten Sendungen auch auf meiner Anlage zu hören. Als Playlist Anbieter habe ich mir einen Account bei Podster.de angelegt.
Ich bezeichne mich als “fleißiger Radiohörer” mit sehr wenig Fernsehkonsum und habe stets ein paar aktuelle Casts auf meinem Mp3 Player welche ich überwiegend beim Radfahren oder in einer stillen Stunde höre.

Ich meine schon, Podcasts sind das neue Radio. Zumindest aber eine gute Ergänzung zu den traditionellen Sendern.
Renomierte Medieninsttitute bescheinigen dem Podcast und auch dem IP-TV eine sehr gute Zukunft. Nach Angaben der Institute haben Radiosender, welche nicht auf diesen neuen Zug aufspringen in naher Zukunft zurückgehende Hörerzahlen. Dieses betrifft auch das IP Radio, wo sich einige Sender ja auch noch sperren, die Streamadressen freizugeben. Eigentlich schade.

Frank

Schmidt

Die Grundschwierigkeit sehe ich darin junge Leute, z.B. Schüler, dazu zu bekommen mal wieder Radio zu hören. Meine Schüler nutzen das Medium Radio größtenteils nicht einmal um Musik zu hören, OT: “is voll uncool”. Könnte man Sie für das Medium grundsätzlich interessiern, so würden sie sich schnell auf Podcasts spezialisieren, die ihren spezifischen Geschmach treffen. Das kann ein Radiosender nicht leisten und da liegt die Chance der Podcasts.

ignazwrobel

Ohne mir dessen so recht bewußt geworden zu sein, bin ich in letzer Zeit nach Anschaffung eines mp3 Players plus 6000er DSL-Internetleitung immer mehr dazu übergegangen, interessante Sendungen, Hörspiele, ja, sogar die Audiospur von Filmen (konvertiert mit MAGIX) und Musik herunterzuladen und sie unterwegs zu hören. Das Radio ist nur eine Armeslänge entfernt, wird aber fast nur noch für Nachrichten-Hören angeschaltet.
Mein Unserverhalten hat sich tatsächlich völlig verändert zugunsten podcast-Radio.

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