Archiv der Kategorie ‘Radio‘

Neues Radio: Ein Vortrag

Montag, den 8. März 2010 - von Sabine Haas

Anlässlich eines Arbeitsgruppentreffens der ARD hat sich result vor dem Hintergrund verschiedener Studie Gedanken zu „Chancen und Risiken von Radio 2.0“ gemacht.

Kernthesen:
Radionutzung ist passiv – und das macht den Erfolg aus. Eine Aktivierung der Nutzer ist vor diesem Hintegrund schwierig. (weiterlesen…)

Radio 2.0

Dienstag, den 25. März 2008 - von Thilo Trump

Wenn ich ein Beispiel herauspflücken müsste, um zu zeigen, warum “Web 2.0″ mehr ist als ein Klingelwort, nämlich eine neue Art von Internet und eine völlig neue Art von Medium – würde ich Last.fm nennen.

Im Zusammenhang mit Web 2.0 wird und wurde ja auch viel Unsinn getan und vor allem geredet. Über dieses Second Life zum Beispiel, die Älteren werden sich vielleicht erinnern. Aber auch viel Richtiges, zum Beispiel, dass der Begriff Web 2.0 in die Irre leiten kann, weil die damit verbundenen technischen Innovationen wie RSS, Ajax oder datenbankgestützte Websites mit Permalinks für sich betrachtet eher wenig revolutionär sind.

Unsere Definition von Web 2.0 setzt deshalb beim Nutzerverhalten an und bezeichnet eine Art und Weise das Internet zu nutzen: “kommunikativ” und “mitgestaltend”. Vergessen darf man dabei natürlich nicht das “Web” in Web 2.0, also die Tatsache, dass im Internet Kommunikation und Mitgestaltung vernetzt werden können.

Last.fm ist ein Web-Radio. Die Benutzung ist denkbar einfach. Es gibt ein googleeskes Suchfeld, in dem man nach Künstlern, Alben oder Genres suchen kann. Es wird dann automatisch eine Radiostation generiert, die die entsprechende Musik abspielt. Wenn einem ein Titel nicht gefällt, kann man ihn überspringen oder für immer bannen. Als Grundfunktion ebenso einfach wie schlüssig.

Aber das ist eben noch lange nicht alles. Denn Last.fm ist ein Web2.0-Radio, also eine Website mit vielen Möglichkeiten zur Nutzerbeteiligung. Und weil Musik Menschen bewegt, wird von diesen Möglichkeiten tatsächlich auch Gebrauch gemacht. Als Hörer kann man automatisch übermitteln, welche Musik man gerade hört, man kann verschlagworten, lieben oder hassen, kommentieren, bloggen, Fotos, Videos hochladen und mitbekommen, was andere hören.

Im Ergebnis bedeutet das, dass man Musik

  • aus bestimmten Genres
  • von bestimmten Künstlern oder Alben
  • die so ähnlich ist wie bestimmte Künstler
  • die andere Hörer hören, welche auch die Musik mögen, die man selber mag (“Nachbarn”)
  • die man selber auf einer Favoritenliste abgelegt hat

als “Radiostation” abspielen kann.

Zwischen diesen Möglichkeiten kann man einfach wechseln, so dass man sich vom jeweils gerade Gehörten leiten und treiben lassen kann. Darüber hinaus kann man:

  • Charts, sortiert nach Genres, Künstlern oder Nutzern ansehen und hören
  • per Link CDs der aktuell gehörten Musik bestellen
  • Videos, Fotos, Kommentare, Wikis zu Künstlern ansehen, hochladen und editieren
  • Profile von anderen Nutzern besuchen, Listen der von ihnen angehörten Musik ansehen und -hören
  • Kontakt mit anderen Hörern aufnehmen
  • sich in Online-Fanclubs organisieren
  • Konzerttermine, der aktuell gehörten Künstler ansehen, Konzertkritiken lesen oder schreiben und Kontakt mit Hörern aufnehmen, die das Konzert besuchen oder besucht haben
  • sich als Label oder Künstler anmelden, um eigene Musik und Events über diesen Weg zu verbreiten
  • ein eigenes “Radio” mit persönlicher Lieblingsmusik erstellen und auf der eigenen Website einbauen
  • und, wenn man über ein mobiles Gerät (Notebook, Telefon, Autoradio) auf das Web zugreifen kann, das alles auch von unterwegs tun

Aber wenn man will, kann man eben auch einfach nur “Play” drücken und Musikradio hören.

Falls jetzt jemand meint, ich würde hier Werbung für Last.fm machen – ich werde nicht dafür bezahlt. Last.fm ist, wie Wikipedia oder Google, eines dieser Angebote im Internet, die mir mit ihren Möglichkeiten immer wieder die Kinnlade runterklappen lassen und verdeutlichen, dass wir derzeit Zeugen einer historischen Zeitenwende sind.

Willkommen im einundzwanzigsten Jahrhundert, Radio.

Radio in der Krise – Internet schuld?

Mittwoch, den 11. Juli 2007 - von result

Zu unserem Alltagsgeschäft im Bereich der Medienforschung gehören auch immer wieder umfangreiche Gruppendiskussionen zum Thema Radio. Hörer verschiedener Radiosender werden zu ihren Einschaltmotiven, Wünschen und Erwartungen an das Medium Radio befragt.

Das Radio war schon immer überwiegend ein “Begleitmedium”, die Gespräche mit jungen Radiohörern in diesem Jahr zeichnen aber ein besonders trauriges Bild der Radionutzung: Stammhörer sogenannter “Junger Wellen” können oft kaum Inhalte wiedergeben. Sogar kultige Elemente, wie z.B. Comedy, werden fast nicht mehr wahrgenommen. An Moderatorenwechsel erinnert man sich allenfalls so: “Da war irgendwas, aber ich weiß nicht genau was.”

Zwar wird fast flächendeckend morgens “zuerst das Radio angeschaltet”. Was man da aber eigentlich hört, ist – außer “dass die Musik meinen Vorlieben entsprechen muss” – nahezu “egal”. Es macht sich eine “Wurstigkeit” insbesondere bei den jüngeren Befragten breit, die Redakteure ängstlich stimmen muss.

Viele Befragte bestätigen dem Radio – als Vorzug vor “eigener” Musik – lediglich die “Bequemlichkeit”: “Ich muss mich um nix kümmern, einfach anmachen und den Rest erledigen andere für mich.” Dabei möchten die meisten am liebsten “auf das viele Gequatsche” verzichten. Redaktionellen Inhalten steht man zunehmend gleichgültig gegenüber.

In diesem Zusammenhang bekommt das Internetradio in seiner Form als Musikabspielstation einen hohen Stellenwert: “Das finde ich toll, einfach Musik durchlaufen lassen, mit Überraschungseffekt, weil nicht von mir zusammengestellt, und keiner palavert mir dazwischen.”

Einziges Argument gegen Internetradio am Morgen (und damit zur Primetime des Mediums Radio): “Morgens fahre ich doch nicht extra den Rechner hoch.”

Aber wie lange das noch gilt, ist fraglich. Der PC webt sich immer weiter in die Mediennutzung ein, wie unsere Web-2.0-Studie belegt.

Redaktionen müssen sich nun fragen, wie man Hörer wieder fester binden – und – was noch wichtiger ist, wie man heranwachsenden Generationen den Weg zum “klassischen” Radio weisen kann. Eine spannende Herausforderung …